Herpes: Ein Überblick über Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Herpes dürfte den meisten erwachsenen Menschen ein Begriff sein, denn er gehört in Deutschland und weltweit zu den häufigsten Virusinfektionen. Fast jeder kommt im Laufe seines Lebens mit dem Virus in Kontakt und weiß in vielen Fällen gar nicht, dass er es in sich trägt, bis es tatsächlich zu einem Ausbruch kommt. Dermatologen werden praktisch tagtäglich mit dem Thema konfrontiert und von Betroffenen dazu befragt. Unser Beitrag möchte Ihnen die wichtigsten Informationen zu den Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten von Herpes geben.

Was genau ist Herpes?

Auslöser der Erkrankung sind Herpes-simplex-Viren (HSV), bei denen zwischen zwei Haupttypen unterschieden wird:

  • HSV-1, typischerweise verantwortlich für den sogenannten Lippenherpes
  • HSV-2, in der Regel Verursacher von Genitalherpes

Diese Zuordnung ist allerdings nicht eindeutig, denn beide Virustypen können grundsätzlich an unterschiedlichen Körperpartien auftreten. Das Tückische an dem Virus ist: Es verbleibt nach der Erstinfektion, die oft schon vor dem sechsten Lebensjahr erfolgt, lebenslang in unserem Körper und kann jederzeit durch bestimmte Auslöser (Trigger) aktiviert werden. Dazu zählen beispielsweise Stress, hormonelle Veränderungen, UV-Strahlung, Infekte oder eine geschwächte Immunabwehr.

Was sind die typischen Symptome für einen Herpesausbruch?

Ein Herpesschub durchläuft mehrere Phasen und dauert ohne Behandlung in der Regel sieben bis zwölf Tage. Zunächst kribbelt, juckt oder brennt die betroffene Stelle, wobei die Haut noch normal aussieht (Prodromalphase). Anschließend bilden sich kleine Bläschen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind (Eruptionsphase). Diese Flüssigkeit ist hochansteckend. In der Ulzerationsphase platzen die Bläschen auf, sodass nässende Wunden entstehen, die in der Verkrustungsphase eine Schorfschicht bilden. In der Heilungsphase schließlich regeneriert sich die Haut unter der Kruste.

Genitalherpes kann zusätzlich starke Schmerzen oder auch ein Brennen beim Urinieren hervorrufen. Bei Erstinfektionen treten nicht selten ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber und Lymphknotenschwellungen auf.

Ansteckung und Übertragung

Sind die Bläschen noch nicht mit Schorf bedeckt, können sich andere Personen leicht mit Herpes anstecken. Besonders anfällig für Infektionen ist die empfindliche Haut der Lippen. Die Übertragung von HSV-1 kann über verschiedene Wege erfolgen, und zwar durch:

  • Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Husten oder Niesen
  • Schmierinfektion durch gemeinsame Nutzung von Gläsern oder Besteck
  • direkten Haut- und Schleimhautkontakt durch Küssen oder sexuelle Aktivitäten

Welche Behandlungsmethoden gibt es gegen Herpes?

Erfolgreiche Impfstoffe gegen Herpes konnten bis heute nicht entwickelt werden, und das Virus lässt sich nicht endgültig aus dem Körper entfernen. Es gibt allerdings Behandlungsmethoden, um die Ausbruchsdauer deutlich zu verkürzen und deren Häufigkeit zu reduzieren, wodurch auch die Ansteckungsgefahr minimiert wird.

1. Antivirale Medikamente
Wirkstoffe wie Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir bilden die Basis für Herpesbehandlungen. Sie hemmen die Vermehrung des Virus und können die Dauer des Krankheitsverlaufs verringern. Für eine topische (äußerliche) Therapie stehen Cremes und Salben zur Verfügung, die vor allem für leichten Lippenherpes geeignet sind. Sie sollten nach Möglichkeit bereits beim ersten Kribbeln auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden.

Bei schweren, häufig auftretenden und genitalen Infektionen kommt meist eine systemische Therapie in Form von Tabletten zum Einsatz. Diese sind besonders wirksam und auch gut verträglich. Bei schwersten Verläufen und besonderen Personengruppen können Infusionen erforderlich werden.

2. Supportive (unterstützende) Maßnahmen
Neben der medikamentösen Therapie gibt es weitere Behandlungsansätze, die den Heilungsprozess unterstützen:

  • Zinksulfat-Gele trocknen die Bläschen aus und reduzieren die Virenlast
  • Desinfizierende Lösungen verhindern bakterielle Superinfektionen
  • Schmerzlindernde Gele mit lokal anästhesierenden Wirkstoffen bieten eine kurzfristige Linderung
  • Hydrokolloid-Verbände in Form von Pflastern oder Patches schützen die betroffenen Stellen, fördern die Heilung und reduzieren das Ansteckungsrisiko

Insgesamt ist eine gute Hygiene wichtig, um eine bakterielle Sekundärinfektion zu vermeiden und die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die betroffenen Stellen sollten stets sauber und trocken gehalten, nicht mit Fingern berührt oder gar gekratzt werden.

3. Neue Therapieansätze
Die Forschung beschäftigt sich stark mit der Entwicklung neuer Strategien gegen Herpes, etwa bei der Suche nach zukünftigen Impfstoffen. Ein weiterer Ansatz ist die Behandlung mit speziellen Lasern, die antiviral wirken und die Heilung beschleunigen können. Diese Methode wird zunehmend in dermatologischen Praxen eingesetzt und eignet sich besonders für Patientinnen und Patienten, die häufig unter Herpes leiden. Ebenfalls zum Einsatz kommen Kombinationstherapien, die antivirale Mittel mit entzündungshemmenden Komponenten verbinden.

4. Präventive Maßnahmen
Vorbeugung ist wie so oft die beste Behandlung. Wer seine individuellen Trigger kennt, kann gezielt gegensteuern. Ein UV-Schutz für die Lippen, Stressmanagement, ausreichend Schlaf und eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung stärken das Immunsystem und können die Häufigkeit der Ausbrüche reduzieren.

Wann sollte eine dermatologische Praxis aufgesucht werden?

Viele Herpesausbrüche verlaufen mild. Dennoch gibt es Situationen, in denen eine ärztliche Abklärung wichtig ist, zum Beispiel bei sehr häufigen Rückfällen, starken Schmerzen, großflächigen Hautveränderungen oder wenn das Immunsystem geschwächt ist. Auch bei Herpes in der Schwangerschaft oder bei Herpesinfektionen im Augenbereich ist eine fachärztliche Betreuung entscheidend.

Zögern Sie nicht, uns bei Fragen oder Beschwerden zu kontaktieren. Gemeinsam finden wir die für Sie optimale Therapie.